Schreie weckten ihn, doch er döste wieder ein. Es war eine Frau – sie fluchte fürchterlich. Er trat ans Fenster und musste nicht lange suchen. Sie stand unten vor dem verschlossenen Eingang des Nachbarhauses, eingerahmt durch zwei hohe Hecken. Eine zierliche Frau, vermutlich Ende Dreissig, doch der Ärger in ihrem Gesicht liess sie etwas älter aussehen. Er verstand die Sprache nicht, in der sie fluchte. Das war auch gut so, denn es hätte die nächste Begegnung mit dem Nachbarn wohl etwas erschwert. Ihre dunkle Haut setzte sich vom umliegenden Schnee ab. Die Verwünschungen kamen ununterbrochen über ihre Lippen. Nun begann Sie sich anzuziehen; den Kleiderhaufen neben ihr hatte er gar nicht bemerkt. – Als er das Haus verliess, war sie bereits angezogen. Es war eine temperamentvolle Frau. Ihre braunen Augen zeigten Stolz und Demütigung zugleich. Mit einem leichten Kopfnicken schritt er an ihr vorbei in Richtung Basar, den einige hier Suq nannten. Die Sonne schien. Eine wohlige Wärme fuhr ihm durch den Körper. – Dann hörte er wieder Schreie. Er stand auf und lief zum Fenster. Die Sonne schien. Dann bewegte er sich etwas seitwärts bis eines der Gitterstäbe sie verdeckte, als wolle er damit auch die Erinnerungen auslöschen.
Jean-Paul Robin