Routiniert spielt die Band das Stück, die Lichtshow ist perfekt abgestimmt und das Publikum verhält sich wie erwartet: Die Hände im Takt klatschen, aufstehen, Klatschen über Kopf, Applaus nach Solo des Gitarristen, weiter annähernd im Takt klatschen, ungelenke Tanzeinlagen, Applaus, hinsetzen. Zuweilen ist der Vergleich mit einer Aerobic Lektion erschreckend. Das Publikum wirkt dressiert, der Künstler gibt den Zirkusdirektor – beide gefangen in ihren jeweiligen Rollen. Das sich das Konzert in einem Zirkuszelt abspielt verstärkt diesen Eindruck. Oder ist es etwa umgekehrt? Der Musiker als zahnloser gutmütiger Löwe umgeben von über tausend Dompteuren? Und wehe man bleibt als Zuschauer mit verschränkten Armen sitzen, wenn das Publikum aufspringt – Langweiler! Das kollektive Gaudi mit institutionalisierter Gruppendynamik. Der Musiker spielt was das zahlende Publikum will, lässt es aber gekonnt im Glauben er habe künstlerische Wahlfreiheit. In der VIP Lounge nach dem Konzert heisst es dann: “Toll wie er auf das Publikum eingegangen ist.” Der Musiker als Entertainer. Schön, wenn sich dies ergibt – schade, wenn es zur Notwendigkeit wird.
Jean-Paul Robin