Jacques

Er sass auf einem flachen Stein an der Ostflanke des Larrun, einige Dutzend Meter vor ihm graste eine Gruppe Pottokak und in der Ferne schweifte sein Blick über Sara, ein kleines Dorf im französischen Baskenland, nahe der Spanischen Grenze. Die Idylle trügte. Während der Französischen Revolution waren seine Vorfahren sowie alle Einwohner Saras deportiert worden. Jacques hingegen hatte sich selbst aus seinem bisherigen Leben losgerissen. Es war eine lange und beschwerliche Reise gewesen; nicht nur durch die Französische Topographie, sondern auch durch die Landkarte seiner Seele. Nach dem er die trügerische Schönheit der Filmkulissen hinter sich gelassen und sich die Luftschlösser beim Zupacken aufgelöst hatten, durchschritt er seine zerbombten Kindheitsträume, vorbei an den glühenden Ideen seiner Jugend, um anschliessend mit geläutertem Blick seine durch ihn geschaffene Welt einer Prüfung zu unterziehen, der sie nicht standhalten konnte. Dies hatte ihn hierher getrieben. An den Ort seiner Vorfahren. Er war zum ersten Mal hier. Ein warmer Schauer durchfuhr seinen Körper. Er fühlte sich verbunden mit dieser Erde; verbunden mit diesem Baskenland, welches viele Narben besass – nicht nur eine Landesgrenze die es teilte. Jacques begann zu begreifen, wieso er hier war.

Jean-Paul Robin

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